Leserbrief von Dr. Thomas Budde

 Die Bürger müssten die höheren Kosten tragen

Einige Fakten zur Bäder-Diskussion möchte ich hier darlegen:

1. Metzingen besitzt ein preisgekröntes Hallenbad in der Stadtmitte und ein Freibad mit Liegewiese und altem Baumbestand an der Erms. Beide Bäder werden bis heute von Kindern, Eltern, Schulen, Vereinen, Einheimischen und Auswärtigen genutzt. Ein Komfort, den im Vergleich zu anderen Gemeinden dieser Größenordnung sowohl in Deutschland als auch in Europa nur wenige genießen können. Da gerade in jüngster Zeit viele Bäder aus finanziellen Gründen geschlossen wurden, weist unter anderen Franziska v. Almsick darauf hin, dass immer weniger Kinder schwimmen lernen, weil der Weg zu einem Schwimmbad zu weit ist. Die Stadt Metzingen hat jahrelang die Bäder nicht gepflegt. Nur deshalb sind laut Gutachten des Büro Fritz von 2017 für die Renovierung des Hallenbades 6,1 Millionen und für das Freibad 2,3 Millionen Euro aufzuwenden. Dabei sind für das Freibad bereits einige Erweiterungen mit umfasst. Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat wollen ein neues Kombibad, weil eine Erweiterung der bestehenden Bäder nicht möglich sei. Diese Behauptung ist falsch: Architekt Dolmetsch hat mit Zeichnungen und einem Modell nachgewiesen, dass eine zweite Schwimmhalle an das Hallenbad angebaut werden kann. Beim Freibad gehören der Stadt weitere Flächen, die mehr als ausreichend für eine großzügige Erweiterung sind. Zum Kombibad gibt es bis heute weder eine Planung noch eine Aussage zum Finanzierungsbedarf und der Ausstattung, noch zur Infrastruktur, noch zum Flächenbedarf, noch zum genauen Standort betreffend des außerhalb des Innenstadtgebietes vorgesehenen Schwimmbades. Wohl aber ist bekannt, dass das Offenburger Kombibad mit 27 Millionen geplant war, letztlich aber 40 Millionen Euro gekostet hat!

2. Bereits in der Konsensuskonferenz, an der 20 Bürger (auch der Unterzeichnende) teilgenommen haben, habe ich zu Beginn erklärt, dass unter diesen Umständen mangels jeglicher Grundlagen keine Sachdiskussion möglich ist. Das gebietet der gesunde Menschenverstand! An der hochgelobten „Bürgerbeteiligung“ haben sich nach Mitteilung der Stadt etwa 3500 Personen beteiligt. Bis heute wird weder die genaue Zahl angegeben noch, wer sich beteiligt hat, noch mit welcher inhaltlichen Aussage.

3. Das Zukunftsteam hat mehrheitlich den Erhalt und Ausbau des preisgekrönten Hallenbades und des Freibades mit Liegewiese und Baumbestand empfohlen. Dieses Team hat darüber hinaus einzelne Ausbau- und Verbesserungsmodule, die auch sukzessive verwirklicht werden können, betreffend das Freibad, erarbeitet. Die Sieben-Keltern-Schule, die Seyboldschule und das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium haben gemeinsam erklärt: „…wird der Erhalt des jetzigen Standortes des Hallenbades befürwortet. Er erfüllt mit den vorgeschlagenen Sanierungsmaßnahmen sämtliche Kriterien und Anforderungen eines zeitgemäßen Schwimmunterrichts“. Dabei lag zu diesem Zeitpunkt die Stellungnahme von Architekt Dolmetsch mit Projektskizzen und Modell zur zweiten Schwimmhalle, die alle Wünsche für Schulschwimmen, Freizeitschwimmer und Vereine üppig abdeckt, noch nicht einmal vor!

4. Wird für die zusätzliche Schwimmhalle zum Hallenbad ein Betrag von nochmals rund 6,1 Millionen Euro (wie vorläufig von Herrn Dolmetsch errechnet) hinzugerechnet zu den Renovierungskosten des bestehenden Bades, ergibt sich ein Gesamtvolumen von etwa 12,5 Millionen, wobei hierin weiterhin die Heizung der Turnhalle, der Musikschule, der Stadthalle und einiger umliegender Häuser enthalten ist. Wird das Freibad über die 2,3 Millionen laut Gutachten Fritz hinaus erweitert, würde ein Betrag von 20 Millionen nicht überschritten. Gegenüber den Kosten eines Kombibades wie in Offenburg ergibt dies mithin eine Ersparnis von rund 20 Millionen (noch ohne weitere Einsparung der Kosten für Infrastruktur und neuer Buslinie)! Im Übrigen: Erhöhen sich insgesamt die Kosten (Stichwort Bauindex), bleibt die Differenz gleich! Diese Kosten und die zu erwartenden weit höheren Eintrittspreise haben letztlich die Bürger Metzingens, also in Zukunft die heutige Jugend, auszubaden!

Dr. Thomas Budde, Metzingen