Leserbrief von Dieter Sauter

Die Fakten sprechen aktuell nicht für einen Neubau

Danke an all die engagierten Menschen für die „Metzinger Bäder“. Dies gilt insbesondere den Ehrenamtlichen: das sind Teilnehmer des Bürgerdialoges mit ihrer Empfehlung an Stadtverwaltung und Gemeinderat. Es sind auch Mitglieder der Schwimmvereine, Spender für Aufkleber, Initiatoren der Bürgerinitiativen, ehemalige Architekten und Stadtplanungs-Bürgermeister und noch viele mehr. Vehement wird der Dialog geführt, weit mehr noch als bei einem gewöhnlichen Wahlkampf. Es geht eben um etwas Wichtiges für uns in Metzingen, nämlich um unsere Wahl für die Aufwertung der bestehenden Bäder oder für deren Stilllegung. Wichtig ist daher, am 18. November zur Wahl zu gehen und die Argumente zu kennen:

1. Bade-Erlebnis: Die Aufwertung der Alt-Bäder könnte sowohl dem Hallenbad sowie dem Freibad je ein zusätzliches Becken bringen und dadurch einen unterbrechungsfreien Betrieb ermöglichen wie auch beim Kombibad-Neubau.

2. Anbindung: Insbesondere Kinder, Jugendliche und Pensionäre wählen meist das Fahrrad, manchmal den Fußweg zu den Bädern. Dazu liegen die bisherigen Bäder optimal. Hingegen würde das neu zu bauende Bongert-Bad viele Nutzer zum Umstieg aufs Auto veranlassen, sofern dies überhaupt zur Verfügung steht. Umgekehrt motiviert die moderne Politik aktuell die Menschen, aufs Rad umzusteigen.

3. Grünzonen: Uns geht’s gut, wenn wir aus der Stadt raus ins Grüne kommen, zum Florian, auf den Weinberg, in den Maienwald. Warum sollen wir die Wiesen ums Ferientagheim für Zufahrt-Straßen, Parkplätze, Wasserbecken und Gebäude für ein Kombibad versiegeln?

4. Charme unserer Stadt: Eine Stadt hat dann Geschichte, wenn sie Gebäuden aus allen Jahrzehnten und -hunderten einen Platz gibt. Jüngst renoviert wurden das Rathaus aus dem Jahr 1668 mit zirka vier Millionen Euro und die Sieben-Keltern-Schule aus dem Jahr 1906 mit zwölf Millionen Euro. Das kann auch mit dem Freibad (Baujahr 1934) und dem Architektur-prämierten Hallenbad aus 1974 erfolgen. Für hochmoderne Beton-Stahl-Glas-Architekturen braucht es kein Kombibad, das haben wir mit unserer neuen IT-Industrie, den neuen Kinderhäusern, der Outletcity und dem Stadtwerke-Anbau.

5. Finanzielle Freiheit will jeder von uns und braucht auch die Stadt. Das Planungsbüro Fritz aus Bad Urach legte in seinem Gutachten aus 2017 dar: Die Renovierungen kosten fürs Hallenbad sechs Millionen, fürs Freibad 2,4 Millionen Euro. Mit zusätzlichen Becken mutmaße ich eine Verdoppelung der Investition auf 17 Millionen Euro. Würde ein Kombibad-Neubau wie andere im Durchschnitt 35 Millionen Euro kosten, so wäre die Mehrausgabe zirka 800 Euro pro Einwohner. Konservativ auf 40 Jahre verteilt, belastete die Mehrinvestition fürs Kombibad gegenüber der Renovierung und Erweiterung der alten Bäder den Metzinger Haushalt jährlich um 450 000 Euro. Rechnet man 100 000 Euro für den notwendigen Pendelbus hinzu, kämen die jährlichen Mehrkosten gar auf 550 000 Euro. Diesen Betrag müsste der Betrieb des Kombibades also jährlich einsparen, nur um gleich viel wie der Betrieb der sanierten aktuellen Bäder zu kosten. Letztere erzeugten in 2016 Aufwendungen von zusammen etwa 1,2 Millionen Euro. Sollten sich durch das Kombibad diese Kosten um ein Viertel, also 300 000 Euro kürzen lassen, wäre viel erreicht, was eine immense Herausforderung an Personal-, Sach- und Heizkosten ist, zumal die Stadtwerke bereits heute kostenumsichtig operieren; und trotzdem wäre der Bongert-Bad-Betrieb jährlich um 250 000 Euro teurer, könnte somit die Erstellungs-Mehr-Investition nie abtragen. Ich hoffe nicht, dass der Bau des Kombibades durch zum Beispiel eine Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuer finanziert würde, zumal die aktuellen Bundes-Steuerschätzungen wieder nach unten korrigiert wurden, was auch Metzingen spüren wird.

Dankbar bin ich, im pluralistischen Deutschland leben und mich äußern zu dürfen und dafür, dass die Stadt Metzingen ihre Bürger in die Entscheidung einbindet sowie die Presse beide Seiten zu Wort kommen lässt.

Schade, dass die Planung des Kombibades mit Detaillierung der Kriterien (von Bade-Erlebnis über Anbindung bis Finanzen) nicht vorliegt und die Bürger sich bereits jetzt zwischen zwei Varianten entscheiden müssen.

Fazit der Abwägung der aufgeführten Kriterien: Derzeit spricht wenig für ein neues Kombibad auf dem Bongertwasen und nahezu alle Punkte für die Renovierung und Erweiterung der bestehenden Bäder.

Bernhard Sauter, Metzingen