Leserbrief von Dr. Heinz Kleineikenscheidt

Zu einer gut funktionierenden Demokratie gehört eine umfassende und korrekte Information der Bürger

 

Die von Herrn Architekt P.L. Dolmetsch erstellte und am vergangenen Samstag der Öffentlichkeit vorgestellte Planung einer zusätzlichen Schwimmhalle zeigt die Erweiterungsmöglichkeit des Eduard-Kahl-Bades. Bei der Veranstaltung in der Medienakademie war von Stadtverwaltung und Gemeinderat niemand anwesend! Nach Fertigstellung der zweiten Schwimmhalle mit einer neuen Technik für das gesamte Bad, kann der alte Teil saniert werden. Eine Schließung des Bades ist nicht erforderlich.

Zu einer gut funktionierenden Demokratie gehört eine umfassende und korrekte Information der Bürger. Dies war leider beim Bürgerdialog 1 nicht der Fall. Bereits bei der Eröffnungsveranstaltung zum Bürgerdialog 1 im letzten Herbst in der Metzinger Stadthalle wurden in der Rede vom technischen Leiter der Stadtwerke zwei falsche Thesen zum Hallenbad aufgestellt:

  1. Das Hallenbad ist nicht erweiterbar
  2. Das Hallenbad muss für mindestens 18 Monate zur Sanierung geschlossen werden

Leider wurden diese Thesen sowohl von der Finanzbürgermeisterin wie auch von unserem OB in ihren Reden verstärkt. Passend dazu suggeriert die Stadtverwaltung in ihrer „Übersicht über die Einzelbausteine“, dass nur beim Bau eines Kombibades das Freibad nicht eine Saison lang geschlossen werden müsse.

Durch diese inkorrekten Darstellungen der fehlenden Erweiterungsmöglichkeit und der angeblich notwendigen 18 Monate langen Schließung des Hallenbades und der negativen Beurteilung des Freibades sind viele Bürger auf die falsche Spur „Kombibad“ gebracht worden.

Die Kehrseite der Entscheidung für den Bau eines Kombibades auf der grünen Wiese ist aber wohl der Großausbau der Motorworld, die dann das jetzige Freibadgelände erwerben könnte. Über dessen Zukunft wurden ja nach Auskunft des OB bereits Gespräche geführt.

Die Bürgerinitiative „Erhalt und Ausbau der Bäder an den jetzigen Standorten“ kämpft nicht, wie unser OB in seiner fragwürdigen Rede in der Stadtratssitzung vom 4. Oktober sagte, gegen andere Bürger, sondern gegen den mit falschen Thesen geführten Bürgerdialog 1. Außerdem kritisierte der OB die Bürgerinitiative überhaupt, obwohl hier allein aus rechtlichen Gründen Objektivität angezeigt gewesen wäre.

Wie anders lief die Entscheidung zu einem großen Freizeitpark in Leutkirch,

5 km vor den Toren der Stadt. Der Bürgermeister selbst ließ einen Bürgerentscheid durchführen.

Wir wollen den Erhalt eines Bades, das den Deutschen Architekturpreis erhalten hat und damit Stadtgeschichte geschrieben hat. Die Pläne und das Modell von Herrn Dolmetsch zeigen, dass diese Erweiterung und Sanierung mehr Wasserfläche aufweist als die größten angedachten Planungen im Kombibad und das bei deutlich geringeren Kosten, selbst wenn man den Ausbau und die Sanierung des Freibades dazurechnet.

In der Metzinger Stadtgeschichte wird wohl kaum noch einmal ein Gebäude den Deutschen Architekturpreis erhalten. Der Preis wurde verliehen für das Gebäude als Bad und nicht als Turnhalle oder Mensa oder Kino etc. Deshalb darf das Eduard-Kahl-Bad als Bad nicht aufgegeben werden. Für uns Metzinger sollte es eine kulturelle Verpflichtung sein, dieses Bad zu erhalten und es wie die Keltern in den Siebzigern vor dem Abriss bewahren.

 

Unser Stadtrat hat vor seiner denkwürdigen Entscheidung im Mai dieses Jahres für das Kombibad zwar die Motorworld in Böblingen besichtigt, nicht aber ein einziges Bad. Die Entscheidung für das Kombibad fiel ohne die Fragen beantwortet zu haben: „Wie teuer?“ und „Wie soll es gestaltet werden?“ Selbst die Frage: „Wo?“ konnte nur pauschal mit Bongertwasen beantwortet werden.

Eines wurde allerdings erreicht: Der Verkauf des Freibadgeländes würde den Großausbau der Motorworld ermöglichen. Für die Bürger würde dies bedeuten: die Vernichtung der grünen Lunge Freibad und einen enormen Verkehrszuwachs für ganz Metzingen durch hohe Besucherzahlen, da auch mit dem Bau eines Großhotels und mit gemeinsamen Veranstaltungen mit der Outlet-City zu rechnen ist.

Der gleiche Investor „die Motorworld“ wird in Kressbronn auch in einem Grünbereich in der hochsensiblen Uferzone des Bodensees ein Großhotel bauen.

In Metzingen sollte es doch eigentlich um die Verringerung des Verkehrs gehen. Stattdessen würden die Metzinger Bürger vermehrt aus der Stadt hinaus zum Bongertwasen fahren und noch mehr Auswärtige in die Stadt hinein! Schon jetzt wundert sich der Metzinger Stadtrat über den enormen Verkehrszuwachs in der Innenstadt, nachdem er einen Mac Donald-Drive-in und einige große Parkhäuser in der Innenstadt abgesegnet hat. Schilda lässt grüßen! Die jetzt diskutierte Pförtnerampel und der Umbau des Lindenplatzes und Bahnhofvorplatzes mit zusätzlichen Verkehrsbehinderungen würde sowohl die Metzinger Autofahrer, wie auch die Wohngebiete mit Ausweich- und Suchverkehr treffen.

Gehen Sie auch dann zum Bürgerentscheid, wenn das Thema Bäder Sie wenig interessiert. Der zunehmende Verkehr trifft uns alle!

 

Metzingen, den 25.10.2018                                          Dr. Heinz Kleineikenscheidt