Leserbrief von Dieter Ernst

 

Dieter Ernst

Brühlstr. 21

72555 Metzingen

 

 

Kann sich Metzingen ein 34 Millionen Euro teures Bad leisten?

 

Ich möchte nochmals auf die Konsensuskonferenz eingehen. Meiner Ansicht nach wurde das Ergebnis der Konsensuskonferenz falsch interpretiert. Für den Erhalt beiden Bäder haben 2 Teilnehmer/innen gestimmt. Für den Bau eines Kombibades haben 3 Teilnehmer/innen uneingeschränkt gestimmt. 7 Teilnehmer/innen haben ihre Zustimmung zu einem Kombibad an Bedingungen geknüpft. Unter anderem daran, dass das Hallenbad für Schulen und Vereine offen bleibt. Von einer klaren Empfehlung kann meiner Ansicht nach daher keine Rede sein, da die Abstimmung 3 zu 2 ausging.

 

Der Gemeinderatsbeschluss von 17. Mai 2018 wird vermutlich in mehrfacher Hinsicht in die Geschichte eingehen. Ohne dass ein Investitionsrahmen vorliegt wurde der Bau eines Kombibades beschlossen. Warum wurde in Metzingen keine Bäderkonzeption erarbeitet, wie es in anderen Städten üblich ist? Ein Blick auf die Ostalb zeigt, wie es besser gemacht werden hätte können. In Aalen wird zur Zeit ein Kombibad in einer vergleichbaren Größe geplant: Hallenbad u. a. mit 25-m-Becken und 8 – 10 Bahnen; Freibad u. a. mit 50-m-Becken und 8 Bahnen. Das Investitionsvolumen wird in Aalen mit 34 Mio. Euro angegeben.

 

Erstaunlich ist schon, wie es auf einmal kommt, dass bei der Stadt Metzingen das Geld so locker sitzt. Erst vor drei Jahren wurde die Grund- u. Gewerbesteuer erhöht. Auch stehen in den nächsten Jahren noch weitere größere Investitionen in Metzingen an; unter anderem Neubau für Feuerwehr und Bauhof für über 20 Millionen Euro und die Sanierung/Neubau der Stadthalle.

 

Auch darüber, wie die Eintrittspreise für das neue Bad aussehen sollen, hört man nichts. Vermutlich können wir uns auf Preise von 8 Euro beziehungsweise ermäßigt 4 Euro einstellen. Bleibt zu hoffen, dass es für den Bau des Kombibades nicht nochmals zu einer Sonderumlage wie Mitte der 70er Jahre kommt, als das Hallenbad und die Stadthalle gebaut wurden.

 

Ein weiter Punkt der noch völlig offen ist, ist der Punkt, was aus dem Hallenbad werden soll. Ein Teil der Metzinger Schulen und Schwimmvereine wünschen sich, dass das Hallenbad als Lehrschwimmbecken offen bleibt. Dies würde jedoch umfangreiche Sanierung in der Größenordnung von ca. 5 Millionen Euro erforderlich machen und bei der Größe des Gebäudes zu hohen laufenden Betriebs- und Unterhaltungskosten führen.

 

Bei der Bäderentscheidung drängt sich mir der Verdacht auf, dass die Stadtverwaltung mit einer Salamitaktik vorgeht. Es wird der Bau eines Kombibades beschlossen, ohne den Bürgern zu sagen, wie teuer ein solches Bad wird. Den Schulen und Schwimmvereinen wird Hoffnung gemacht, dass das Hallenbad als Lehrschwimmbecken erhalten bleibt, obwohl jedem klar sein dürfte, dass diese Lösung alles andere als wirtschaftlich ist.

 

 

Metzingen, 05. Juni 2018